Die Bedeutung von Managed Futures in der Anlageberatung wächst

Futures-Fonds zu berücksichtigen, bedeutet im besten Interesse des Kunden zu handeln – nicht nur aus Sicht der Wirtschaftswissenschaften, sondern auch im Lichte aufsichtsrechtlicher Vorgaben, erklärt Dr. Rolf Majcen von FTC Capital.

Das demnächst in Kraft tretende Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG) 2018 enthält neue Vorschriften zur Eignung und Angemessenheit von Wertpapierdienstleistungen. Nach der bereits jetzt bestehenden Vorgabe, dass bei der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen ehrlich, redlich und professionell im bestmöglichen Interesse der Kunden zu handeln ist (§ 47 (1) WAG 2018), legt § 56 (1) WAG 2018 die Latte nun noch etwas höher. Anlageberater und Portfolioverwalter müssen von deren Kunden auch Angaben über Risikotoleranz und die Fähigkeit, Verluste zu tragen, einholen. Erst auf dieser Basis sollen sie Dienstleistungen und Finanzinstrumente empfehlen, die für das spezielle Risikoprofil eines Kunden geeignet sind. Ausgehend von diesen Ansätzen und auch auf Grundlage von MiFID II werden sich Anlageberater und Portfolioverwalter künftig wesentlich stärker auch mit dem Risiko/Ertrags-Verhältnis der Portfolios ihrer Kunden auseinandersetzen müssen. In diesem Zusammenhang sollte man die Anlageklasse Managed Futures berücksichtigen, insbesondere in Zusammenhang mit deren risikomindernden Eigenschaften im Portfoliokontext.

Managed Futures wurden wegen ihrer besonderen Eigenschaften schon ab 1983 eingehend untersucht. Als erster lieferte damals Dr. John Lintner, Professor an der Harvard University, den Beweis, dass Managed Futures, wenn man sie einem traditionellen Portfolio aus Aktien und Anleihen beimischte, den Ertrag auf jedem gegebenen Risikoniveau hoben. Morton S. Baratz und Warren Eresian belegten drei Jahre später, dass der Ertrag eines Portfolios aus Anleihen und Aktien bei gleich bleibendem Risiko gesteigert werden kann, wenn man einen relativ kleinen Anteil von gemanagten Terminmarktanlagen - etwa 20 Prozent - hinzufügt. Eine 1998 im Auftrag der Alternative Investment Management Association (AIMA) veröffentlichte und 2000 und 2002 aktualisierte Studie des Professors für Finanzwissenschaften an der Universität Massachusetts, T. Schneeweis, hat diese Erkenntnisse erneut bestätigt. Weitere Studien folgten, darunter jene von Alexander Ineichen aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Diversification? What Diversification?“, die deutlich zeigte, dass Managed Futures das größte Potenzial haben, in Krisenzeiten positive Erträge zu erwirtschaften. Ineichen fand, dass diese Anlageklasse in 18 von 20 weltweiten Krisenszenarien profitabel waren.

Um den Anforderungen an eine professionelle Finanzdienstleistung zu genügen, sollten Anlageberater und Portfolioverwalter Futures-Fonds daher nicht (mehr) vernachlässigen. Im Gegenteil: Man wird bei Wertpapierdienstleistungen auch Futures Fonds in Erwägung ziehen müssen und Kunden zumindest darüber informieren müssen. Das trifft insbesondere dann zu, wenn Portfolios mit hohem Aktienanteil erwogen werden, denn hier tragen Managed Futures besonders zur Risikodiversifikation bei.

Die österreichische Rechtslage lässt den Vertrieb von Futures-Fonds an Privatkunden zu, wenn sie gewisse Voraussetzungen des AIFMG (insb. §§ 48 (7) AIFMG) einhalten. Die Erläuternden Bemerkungen zum AIFMG aus dem Jahr 2013 halten diesbezüglich auszugsweise fest: „Diese Fonds eignen sich als antizyklische Anlageform in einem ausgewogenen Anlageportfolio zur Beimischung. Sie weisen eine hohe Liquidität auf und werden über Clearingstellen abgewickelt.“
Es gibt also keine Veranlassung, diese Asset Klasse Privatkunden gegenüber zu verschweigen.