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Das Magazin für technisches Trading | Ausgabe: 03/2009

 
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Paradigmenwechsel im Asset Management - Teil 1: Der Buy & Hold-Mythos entzaubert

Modelle, auf die sich Millionen von Anlegern bei der Konstruktion ihrer Portfolios in der Vergangenheit verlassen haben, sind bei weitem nicht so robust, wie sie sein sollten. Das Ausnahmejahr 2008 war ein klarer Beleg dafür. FUTURES untersucht die wichtigsten Paradigmen „klassischer“ Modelle und erklärt deren Grenzen. Teil 1 beschäftigt sich mit den Grundlagen und untersucht die Annahme, dass „buy & hold“ für Aktieninvestments zum Erfolg führt.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für „Kopf“ oder „Zahl“ als Ergebnis des Wurfes einer fairen (also nicht manipulierten) Münze? Die Antwort ist heute Allgemeingut, oder „Common Sense“, wie man im anglo-amerikanischen Sprachraum sagen würde: 1:1, 50 %, 0,5 oder 1/2 – etwas davon wird jeder durchschnittlich begabte Schüler zwischen Tokyo und Los Angeles parat haben.

„Common Sense“: manchmal nur ein Näherungswert

Die Physik freilich lehrt uns, dass all diese Antworten nur fast korrekt sind. Die Münze könnte nach einem Wurf auch exakt auf ihrer Kante stehen bleiben, wenn auch mit äußerst geringer Wahrscheinlichkeit. Nach einer sehr, sehr langen Reihe aus Gewinnen für Köpfe oder Zahlen müssen wir also irgendwann einmal mit einem Unentschieden rechnen. Dieses sehr seltene Ereignis können wir im Alltag freilich ohne weiteres vernachlässigen, so wie auch viele andere Ereignisse mit geringer Wahrscheinlichkeit. Es macht eben – nur zum Beispiel – keinen Sinn, sich gegen einen möglichen Wintereinbruch im August zu wappnen, wenn man Bauer in der Toskana ist. Die Kosten dafür wären ungleich höher als der potenzielle Schaden.
Bei einer Reihe von modernen Herausforderungen wäre es dagegen besser, wir würden das Unwahrscheinliche stärker beachten. Wir reden von einem Aspekt der Welt, den der Bestseller-Autor Nassim Taleb „Extremistan“ nennt. Extremistan ist eine Umgebung, in der Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit extreme Auswirkungen haben können.

Der induktive Truthahn

Was damit gemeint ist, verdeutlicht Taleb in seinem Buch „The Black Swan“ mit einem Gedankenexperiment, das dem Philosophen Bertrand Russell zugeschrieben wird: Darin haben wir einen Truthahn als Hauptdarsteller, der irgendwann feststellt, dass er jeden Tag zu einer bestimmten Zeit gefüttert wird. Er beschließt nun, dieser Regelmäßigkeit mit empirischen Mitteln auf den Grund zu gehen. Dazu zeichnet er alle künftigen Fütterungszeiten auf. Er stellt dabei fest, dass er immer um 9 Uhr 15 Futter erhält. Das gilt für jeden Wochentag und auch über die Jahreszeiten kann er keine Abweichung feststellen. Die Annahme: „Ich werde jeden Tag um viertel nach neun gefüttert,“ verdichtet sich schließlich zur Gewissheit. Dann kommt der Morgen vor Weihnachten und der Truthahn erhält statt seines morgendlichen Futters eine Einladung zum Abendessen: Als Hauptgang.
Russell macht mit diesem Beispiel deutlich, was seit der Entwicklung der formalen Logik in der griechischen Antike bekannt ist: Schlussfolgerungen aus Beobachtungen der Vergangenheit (induktive Schlüsse) können niemals Gewissheit für die Zukunft liefern: Selbst wenn unsere Münze eine Million mal auf Kopf oder Zahl fallen würde, können wir daraus nicht mit Bestimmtheit schließen, dass sie nie auf der Kante stehen bleibt. Tritt das unwahrscheinliche Ereignis auch nur ein einziges Mal ein, ist der induktive Schluss widerlegt.

Spiele mit extremem Ausgang

Bei der klassischen Münzwurf-Wette hätte das extrem seltene Unentschieden keine Folgen. Wenn wir die Spielregel aber abwandeln und als Folge aus einem Münzwurf mit dem Ergebnis Kante einen Verlust des Gesamtvermögens definieren – wir würden uns genau überlegen, ob wir uns auf das Spiel einlassen. Seltsamerweise sind Spiele, die bei geringer Wahrscheinlichkeit einen extremen Ausgang nehmen, in der Finanzwelt nahezu überall in unterschiedlichen „Härtegraden“ zu finden.
Nehmen wir einen wichtigen Kulminationspunkt der Weltwirtschaftskrise, die als „Subprimekrise“ an der Westküste der USA begann. Hier wurde ein globales Spiel in Gang gesetzt, das auf einem komplexen System des Risikotransfers beruhte. Die grundsätzliche Überlegung: Durch Mischung von Krediten an Schuldner unterschiedlicher Bonität (Prime, Subprime etc.) lässt sich ein nach Risiko diversifiziertes, auf indivi­duelle Risikoneigung und Renditeappetit zugeschnittenes Portfolio erstellen. Gleichzeitig können so die Klumpenrisiken der spezialisierten Hypothekenfinanzierer zerstückelt und prächtig weiterverkauft werden. Auf dieser Basis konstruierten akademisch geprüfte Risikomanager mit der Hilfe von Ratingagenturen komplexe Produkte wie Mortgage Backed Securities (MBS), Asset Backed Securities (ABS) oder CDOs und SIVs . Ganz nach dem Motto: „Für jeden Anspruch eine Lösung“. Banken und Versicherungen pumpten gewaltige Summen in diese scheinbar unbegrenzt designfähigen Vehikel. Wie sich zeigen sollte, schliefen in diesen Strukturen allerdings zu viele Einzelrisiken, die aus historischen Entwicklungen geschätzt und deren gegenseitige Abhängigkeiten zudem weitgehend unerforscht waren. Im Verlauf der Krise mussten Produktdesigner, Ratingagenturen und Investoren zur Kenntnis nehmen: Die Münze kann auf der Kante landen – und zwar jederzeit.
2008 war aber ein noch sehr viel lehrreicheres Jahr. Eine ganze Reihe anderer, weitaus populärerer Konzepte, die bis dahin den „Common Sense“ darstellten, kamen an ihre Grenzen. Einige davon hatten induktive Truthahn-Beobachtungen zur Grundlage und erwiesen sich damit als typisch menschliche Vereinfachungen. Andere dagegen waren bei genauer Betrachtung immer schon auf höchst unsicheren Fundamenten gegründet. In dieser und den folgenden Ausgaben widmen wir uns diesen Zutaten zu gängigen Rezepten im Asset Management und beginnen in dieser Ausgabe mit einer der wahrscheinlich hartnäckigsten „Weisheiten“ über den Aktienmarkt.

Rausgeflogen: Unisys, einst „Shooting Star“ des Informationszeitalters, heute ein „Penny-Stock“. Der Titel wurde im November 2008 aus dem S&P 500 Index entfernt und durch die Finanzdienstleister-Holding People‘s United Financial Inc. ersetzt.

Die „Buy & Hold“-Legende

Die Legende besagt, dass Aktienmärkte bei ausreichend leidensfähigem Sitzfleisch praktisch immer höhere Erträge bringen als risikoarme Anlageformen wie Staatsanleihen. Demnach muss man lediglich eine Sammlung von Aktien ins Depot legen und 10 oder 20 Jahre später wieder hervorholen, um einen satten Gewinn einzustreifen. In einer kurzen und millionenfach wiederholten Marketingaussage verkürzt: „Buy & Hold gewinnt bei Aktien auf Dauer immer.“
In dieser banalen Ausprägung ist die Legende mit einer Portion Verstand und ganz ohne Statistik zu entlarven: Nachweislich sind einige wenige geniale Unternehmen eine Zeit lang außergewöhnlich erfolgreich. Noch weniger können diesen Erfolg über viele Jahre hinweg wiederholen. Ebenso nachweislich bewegt sich die große Masse der Unternehmen irgendwo zwischen Mittelmaß und Insolvenzgefährdung. Und am unteren Ende gibt es wieder eine gar nicht so kleine Zahl von Ausfällen durch Konkurs, Geschäftseinstellung oder Übernahme.
Das ist bei Aktiengesellschaften nicht anders. Schließlich gibt es kein Gesetz , das nur genialen Unternehmen den Gang an die Börse erlauben würde.
Die typischen Messinstrumente für Erfolg und Misserfolg auf dem Aktienmarkt spiegeln uns aber scheinbar genau das Gegenteil vor: Aktienindizes. Diese „Top 30“ (DAX) oder „Top 500“ (S&P 500) und all die anderen „Benchmarks“, die jeden Tag auf den Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen, in der Börsenberichterstattung von Rundfunk und Fernsehen sowie auf tausenden Web-Portalen als Repräsentation des Aktienmarkts besprochen werden, sind alles andere als repräsentativ. Sie bestehen ausschließlich aus jenen Unternehmen, die bereits eine Zeit der Genialität oder wenigstens des überdurchschnittlichen Wachstums hinter sich haben.

„Survival of the fittest“

Gehen solche Unternehmen schließlich dem Ende ihres Lebenszyklus als Marktführer entgegen, ist das für den zugehörigen Index weiter kein Problem, selbst dann nicht, wenn das Scheitern im Einzelfall so spektakulär und rasant ausfällt wie bei den einstigen US-Investmentbanken Bear Stearns oder Lehman. Sie werden ohne große Abschiedsfeier „delistet“, also aus dem Index entfernt. An ihre Stelle treten dann einfach jüngere, erfolgreichere oder auch ehemalige Index-Unternehmen, die es aus einer Flaute zurück an die Spitze geschafft haben. Indizes sind daher denkbar ungeeignet, um die Kursentwicklung der Gesamtheit aller Aktien zu beurteilen. Sie sind, um es überspitzt auszudrücken, vielmehr das Messinstrument für Wirtschaftsdarwinisten: Indices repräsentieren den Wert der jeweils fittesten Unternehmen ihrer Zeit. In der Finanzmarktforschung nennt man die solcherart entstandene Verzerrung „Survivorship-Bias“. Soll heißen: Nur die dauerhaft erfolgreichen Unternehmen haben Kontinuität im Index. Die Gescheiterten (oder nicht mehr so fitten) werden dagegen aus der Rechnung entfernt, was gut für die Performance eines Index ist.

Kommen und Gehen im DAX

Sehen wir uns zur Verdeutlichung den Frankfurter DAX der 30 am höchsten kapitalisierten deutschen Aktiengesellschaften an. Von den ursprünglichen Indexwerten des Jahres 1988 sind Anfang 2009 gerade mal 16 übrig – würde man durch Übernahmen und Fusionen veränderte Unternehmen wie Daimler Chrysler zusätzlich abzählen, wären es gar nur 13. Allein 2008 wurden drei der 30 Indexplätze oder 1/10 davon neu vergeben. Das Bergbauunternehmen K+S löste den angeschlagenen TUI Mischkonzern ab. Hypo Real Estate wurde durch Salzgitter und der Reifenhersteller Continental durch den krisenfesteren Markenartikler Beiersdorf ersetzt (Wundpflaster schlägt Autoreifen). Dabei ist der DAX mit schlanken 21 Jahren einer der jüngeren etablierten Indizes. Beim Dinosaurier Dow Jones Industrial Average blieb seit seiner Erstpublikation im 1896 gerade mal eine Aktie (General Electric) bis heute im Index und im S&P 500 wurden seit dem Jahr 2000 rund 290 Umgruppierungen vorgenommen – allein 2008 flogen 37 Titel aus dem Index.
Diese Praxis der Indexkonstruktion, bei der es eben darum geht, die Kursentwicklung der jeweils wichtigsten (am höchsten kapitalisierten) Unternehmen eines Teilmarktes abzubilden, wird freilich nicht durch schelmische Hintergedanken gelenkt – sie ist in sich schlüssig und sinnvoll. Unhaltbar ist lediglich die weit verbreitete Annahme, dass Aktienindizes präzise Aussagen über die Wertentwicklung der großen Mehrheit von Aktiengesellschaften zulassen. Das wussten auch schon die Väter der modernen Portfoliotheorie, die unter anderem empfahlen, die Gewichtung einzelner Aktien in einem Portfolio der aktuellen Marktkapitalisierung anzupassen (also so vorzugehen, wie es kapitalgewichtete Indizes tun). Nur wer diesem Rat folgt, was heute durch einfach zugängliche und billige Indexinstrumente wie ETFs ohne weiteres möglich ist, kann also hoffen, dass jene „langfristig positive Ertragserwartung von Aktien“, die stets anhand von Indexentwicklungen berechnet wird, realisiert werden kann.

Langzeitrenditen im S&P 500

Ob sich die Buy & Hold-Legende in der Vergangenheit wenigstens bei dem geforderten streng indexorientierten Kaufverhalten erfüllt hätte, sehen wir uns am Beispiel eines der großen, alten Indizes an: Der S&P 500 besteht in der heutigen Methodik seit 1957 – Daten, die durch Rückrechnung erzeugt wurden, liegen bis 1928 vor. Der Index ist der Spiegel von Erfolg und Misserfolg der 500 Schwergewichte unter den börsenotierten Unternehmen der USA und repräsentiert etwa 75 % der Gesamtkapitalisierung des US-Aktienmarktes.Wer sein Portfolio mit 1957 beginnend, laufend diesem Index angepasst hätte, konnte vor Spesen seither aus jedem investierten Dollar 15 und 75 Cents machen (per Ende Februar 2009). Über den Daumen hätte das einer jährlichen Verzinsung von etwa 5,4 % pro Jahr entsprochen.
Ein Anlagehorizont von über 50 Jahren dürfte allerdings eher die Ausnahme darstellen. Wer keine Lebensspanne Zeit hat, wird sich etwa die Renditen ansehen, die man in 10 oder 20 Jahren erwarten könnte.
In der Analyse dieser Zeitfenster zeigen sich höchst unterschiedliche Ergebnisse: Der S&P 500 hat seit 1950 bei einem Anlagehorizont von 10 Jahren und unter Berücksichtigung der jeweiligen Monatsendwerte eine Bandbreite von -5,1 % bis +16,8 % an annualisierten Renditen zu bieten. In der Geschichte haben wir bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren bisher eine Bandbreite zwischen einem Gesamtverlust von etwa 41 % des Kapitals (von jedem Ende Februar 1999 eingesetzten Dollar blieben 2009 nur noch 59 Cents übrig) und einem herausragenden Profit gesehen (jeder eingesetzte Dollar wäre zwischen August 1990 und 2000 etwa auf 3,70 gewachsen).

20 Jahre S&P 500: Zwischen Sparbuch und ­Hauptgewinn

Im 20-Jahres-Fenster liegt die historische Bandbreite annualisierter Renditen zwischen 2,4 und 14,4 %. Immerhin – Kapitalverlust wäre bei diesem Anlagehorizont tatsächlich keiner aufgetreten. Wer das Glück hatte, im Oktober 1980 ein Paket aus S&P Aktien zu kaufen und über die Zeit bis 2000 nachzubilden, hätte den bisherigen Haupttreffer gelandet und sein Kapital (vor Spesen) nahezu verfünfzehnfacht. Das schlechteste Ergebnis brachte ein Einstieg im März 1962 mit einem Gesamtgewinn auf Sparbuchniveau bei lediglich rund 59 % für die gesamte Dauer. Per Ende Februar 2009 schließlich lag die in den vergangenen 20-Jahren erzielbare Rendite bei annualisierten 4,15 % oder 125 % absolut – das ist ziemlich dürftig gemessen am Risiko. Apropos Risiko: Wie sehen Aktien langfristig im Vergleich mit anderen, weniger schwankungsfreudigen Anlageformen aus?

Aktien vs. Anleihen

„Je jünger ein Anleger ist, desto höher sollte dessen Aktienquote in einem Anlageportfolio aus Aktien und Anleihen sein. “ Diese Faustregel wird regelmäßig wie eine verbriefte Wahrheit verkauft. Sie basiert ebenfalls auf der Annahme, dass man bei einem langfristigen Anlagehorizont mit Aktien mehr verdient als mit Anleihen.

 


Wir überprüfen den Wahrheitsgehalt anhand des S&P 500 und 10jährigen US Government Notes nach folgendem Modell:
1.) Das Aktieninvestment erfolgt derart, dass das Portfolio laufend dem Vergleichsindex entspricht. Wir analysieren für diese Annahme alle möglichen 10- und 20-Jahreszeiträume seit dem April 1953 auf Monatsbasis (der maximal mögliche Zeitraum, für den uns sowohl für den S&P 500 als auch US-Anleihen Daten zur Verfügung stehen).
2.) Der S&P 500 ist kein Total Return Index, bei dem unterstellt wird, dass Dividendenausschüttungen wieder in den Index reinvestiert werden. Für das zum Vergleich herangezogene zehnjährige Anleiheninvestment nehmen wir daher der Fairness halber an, dass der Anleger eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit kauft und hält, deren Rendite exakt der Verzinsung 10jähriger US-Staatsanleihen zum Investitionszeitpunkt entspricht. Die jährlichen Kuponzahlungen werden nicht wieder investiert.
3.) Im 20-Jahres-Fenster, für das keine lückenlose Anleihenzeitreihe zur Verfügung steht, gehen wir von zwei aufeinanderfolgenden zehnjährigen Anleihen aus (z.B. Jänner 1953 und 1963), die nach dem oben beschriebenen Modell berechnet werden. Kapital plus Rendite aus der ersten Anleihe werden nach Ende der ersten zehnjährigen Laufzeit in die nächste investiert. Das fällt naturgemäß in vielen Fällen ungünstiger für die Anleihenperformance aus, als wenn man eine (z.B. 30jährige) Anleihe mit exakt 20 Jahren Restlaufzeit zum Vergleich heranziehen würde (eine solche wäre aber in der Vergangenheit auch nicht immer zur Verfügung gestanden).
4.) Spesen, Depotgebühren und Steuern bleiben unberücksichtigt.
5.) Da Aktieninvestments ein vielfach höheres Rückschlagsrisiko beinhalten als fixverzinsliche Anleihen, sollten sie eine Risikoprämie in Form einer angemessenen Überrendite bieten. Diese messen wir gesondert.

Historische Über- bzw. Unterrenditen (jeweils annualisiert) im S&P 500 gegenüber US-Staatsanleihen bei Anlagehorizonten von 10 Jahren (dunkelblau) und 20 Jahren (hellblau). Lesebeispiel: In den letzten 20 Jahren (02/1989 bis 02/2009 - letzter Wert der „20-Y“-Kurve) hat der S&P 500 pro Jahr einen um 0,64 Prozentpunkte geringeren Ertrag geliefert als Staatsanleihen.

Die Ergebnisse

Im Durchschnitt aller 551 10-Jahresfenster zwischen 1953 und 1999 zeigte das Aktieninvestment eine annualisierte Überrendite von 2,2 Prozentpunkten gegenüber den fiktiven zehnjährigen Staatsanleihen. Die höchste Outperformance wurde im Zeitraum Oktober 1990 - 2000 mit über zehn Prozentpunkten erzielt. Insgesamt lieferten etwas weniger als drei Viertel (73,5 %) aller möglichen Perioden von 120 Monaten bessere Aktien- als Anleihenrenditen. Oder anderes ausgedrückt: In der Vergangenheit verdiente der S&P 500 in knapp drei von vier Fällen mehr Geld als die Staatsanleihe.
Die restlichen 26,5 % der Fälle (146 Zehnjahresfenster) sehen allerdings für die 1960er und 70er Jahre sowie in der jüngeren Vergangenheit recht krass aus. Gegenwärtig (Februar 1999-2009) erreichte die „Underperformance“ des S&P 500 im Zehnjahresfenster den vorläufigen Negativrekord von mehr als 9 Prozentpunkten Abschlag gegenüber der Anleihenrendite (pro Jahr!). Oder deftiger: Während bei unserer fiktiven Anleihe in diesem Zeitraum aus jedem Dollar 1,30 wurden, schrumpfte im S&P jeder Dollar auf 59 Cent.

20 Jahre: Nicht besser

Erstaunlicherweise sinkt die „Trefferquote“ bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren noch – ein deutlicher Hinweis darauf, dass eine längere Behaltedauer die Chance auf Überrenditen nicht erhöht: Bei 20 Jahren „Buy & Hold“ waren nur noch rund 71 % der möglichen Aktienrenditen höher als jene der (fiktiven) Anleihe. Im Detail zeigen Aktien im historischen 20-Jahres-Fenster eine durchschnittliche annualisierte Outperformance von 1,8 Prozentpunkten. Das Maximum wäre hier bei einem punktgenauen Einstieg im Juni 1979 zu erzielen gewesen, womit man den vollen Bullenzyklus der 1990er mitgemacht und den Abstieg nach 2000 vermieden hätte (7,4 Prozentpunkte Risikoprämie gegenüber der Anleihe). Das schlechteste Ergebnis hätte bisher die Periode zwischen dem Dezember 1959 und 1979 erzielt (-1,9 % Underperformance annualisiert).

Zwei „Total Return“-Indizes im Vergleich

Professionelle Anleger hätten gegen das für diesen historischen Vergleich verwendete Näherungsmodell aus S&P 500 und den fiktiven Anleihen erhebliche Bedenken: Sie würden etwa einwenden, dass kein vernunftbegabter Anleger niedrig verzinste Papiere bis zum Laufzeitende halten würde, wenn er in höher verzinste umsteigen könnte. Und auch noch weitere Faktoren in unserem simplen Vergleich verschaffen dem „konstruierten“ Buy & Hold-Aktionär möglicherweise einen Vorteil gegenüber dem Bond-Anleger, den es in der Realität nicht gegeben hätte – darunter etwa die Tatsache, dass es lange Strecken gab, in denen eine Reinvestition hoher Anleihenkupons deutlich mehr gebracht hätte als jene vergleichsweise schmaler Dividenden.
Einen valideren Vergleich liefern daher Total-Return Indizes, die das von einem „rationalen“ Anleger angenommene Verhalten genauer widerspiegeln. Sie investieren Dividendenausschüttungen sowie Kuponzahlungen und reflektieren auch die Kursveränderungen von Aktien bei Veränderungen des Zinsniveaus. Zu diesen gehören der deutsche Aktienindex DAX, sowie sein Pendant für deutsche Bundesanleihen, der REX Performance Index. Beide Indizes verfügen über eine Echtzeit-Historie seit 1988. Für den DAX existieren Rückrechnungen vor diesem Zeitpunkt (seit 1959), für den REX leider nicht. Wir können bei einem Test dieser beiden Kursreihen daher nur die vergleichsweise jüngere Vergangenheit einbeziehen und haben lediglich für die 10-Jahres-Fenster ausreichend Daten zur Verfügung.

Wir sehen also eine Chance von rund 3/4 für eine höhere Aktien- als Anleihenrendite in allen bisher beobachteten 10-Jahresfenstern. Im Schnitt betrug die Risikoprämie 2,83 Prozentpunkte (= annualisierte Überrendite). Über die gesamte Zeit von etwas mehr als 22 Jahren verrät freilich schon ein flüchtiger Blick auf den Chart, dass die Überrendite des durch den DAX repräsentierten Aktienportfolios durch ein extrem höheres Risiko erkauft wird: DAX und REX kommen auf der Werteachse am Ende ziemlich nahe beieinander an, der Aktienbesitzer durchlebte aber auf dem Weg dorthin lichte Höhen und tiefe Täler, während der Anleihenbesitzer im Vergleich dazu sanft nach oben glitt. Auf den Punkt gebracht: Die Gesamtrendite des DAX betrug 284 %, bzw. 6,6 % annualisiert bei einer annualisierten Volatilität (jährlichen Schwankungsbreite) von 22 %. Der Anleihenindex DAX bot eine Gesamtperformance von 262 %, was eine annualisierte Rendite von lediglich 30 Basispunkten unter dem DAX ergibt (6,3 %). Die Volatilität des REX war dagegen mit schmalen 3,3 % um ein Vielfaches geringer. Aktuell hätte der Anleihenbesitzer, welcher vor zehn Jahren begonnen hätte, sein Portfolio nach dem REX Anleihenindex auszurichten, pro Jahr um über 7 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der Aktienkäufer eines dem Aktienindex DAX folgenden Portfolios.

Fazit: Investieren mit Verstand

Die Zahlen belegen, dass es sich beim Buy & Hold-Mythos um eine der vielen Faustregeln handelt, auf die ebensowenig Verlass ist wie auf andere. Sie traf zwar wenigstens für die beiden hier präsentierten Index nahen Investitionsstrategien in der Mehrzahl der historischen Betrachtungen zu, aber eben lediglich in etwa drei von vier Fällen. Wie wir schon am Truthahn-Gleichnis gesehen haben, eigenen sich derartige rückwärts gewandte Berechnungen nicht ohne weiteres für eine Beurteilung künftiger Chancen. Die ermittelten historischen Wahrscheinlichkeiten erlauben daher nicht einmal für die getesteten Märkte eine Prognose. Für die Schätzung von Ertrags­chancen auf anderen Märkten, für welche noch kürzere Kurshistorien vorliegen, sind unsere Berechnungen schon gar nicht geeignet.
Dazu kommt, dass unser Setup bei einer Umsetzung in der Realität vermutlich schlechter für Aktien ausgefallen wäre: Bevor Indexfonds mit sehr niedrigen Gebühren verfügbar wurden (also bis in die 1990er Jahre), hätte ein privater Anleger die Forderung, einen Index aus „erfolgreichen Überlebenden“ möglichst genau nachzubilden, nur unter deutlich höheren Kosten umsetzen können, als es ein vergleichsweise simples Anleihenportfolio verlangt hätte. In der Realität wäre ein Aktien-Anleger also gar nicht schlecht beraten, wenn er sein Risiko noch höher einschätzt, als es unsere beiden Tests nahelegen.

Darüber hinaus noch ein paar gute Ratschläge zum Thema Buy & Hold von Aktien:

1.) Buy & Hold am Aktienmarkt war immer ein Glückspiel. Wer in Aktien investiert, ist selbst bei langfristigen Anlagehorizonten und strikter Verfolgung eines Index nicht auf der „sicheren Seite“. Daher gilt für derartige Anlagen dasselbe wie für alle anderen Risiko-Assets: Begrenzen Sie Ihre Verluste durch diszipliniert umgesetzte Stops (bereits beim Kauf festgelegte Kursmarken, bei deren Unterschreitung man jedenfalls verkauft).
2.) Langfristige Holdings müssen abgesichert werden. Wenn es schon „Buy & Hold“ sein muss, kann das hohe Rückschlagsrisiko lediglich durch ein ähnlich dimensioniertes Gegengewicht im Gesamtportfolio aufgefangen werden. Ein derartiges Instrument müsste in Aktien-Abwärtstrends negativ korreliert sein und dennoch über die Zeit eine positive Ertragserwartung aufweisen. Diese Eigenschaften bieten insbesondere Managed Futures (z.B.: FTC Futures Fund Classic: +77,8 % Dreijahres-Performance zwischen Februar 2006 und 2009).
3.) Mehr Sicherheit mit Absolute Return Ansatz. Wer das Risiko langer und heftiger Bärenmärkte deutlich senken und dennoch an den Aufwärtsmärkten partizipieren will, sollte statt der traditionellen Buy & Hold Strategie auf moderne Absolute-Return-Konzepte setzen, die Aktien im Aufwärtsmarkt halten, in Abwärtsmärkten aber dennoch Renditen generieren können. FTC bietet dafür den Aktienfonds FTC Gideon 1. Dieser Fonds bietet striktes Risikomanagement des „Long“ ausgerichteten Aktienportfolios in Kombination mit einem marktneutralen Long-/Short-Portfolio, welches selbst in längeren Abwärtsmärkten noch Renditechancen findet.